Ein Marathon…

Neulich war ich bei einem Marathon (42,195km) als Begleitperson anwesend. Wer noch nicht bei so einem Ereignis dabei war – ich kann euch nur berichten: die Stimmung ist packend, aufreibend und faszinierend zu gleich. Menschenmassen schlingen sich durch die Straßen am Weg zu ihren Startblöcken. Alle haben das selbe Ziel – den selben Hummelflug vor sich: das Ziel zu erreichen. Die Spannung steigt, dann endlich der Startschuss – und es wird losgelaufen…. und gelaufen…..und gelaufen…..und……gelaufen. 42,195km.

Trotz gutem Start wo es doch sehr motiviert, locker und flott voran geht, kommt dann doch irgendwann bei JEDEM Teilnehmer der Zeitpunkt, an dem nur noch der Geist dich weiter bringt und die Zähne zusammengebissen werden. Ein KAMPF GEGEN SICH SELBST. Eine Frau neben mir meinte weinend zu mir, nach dem sie gerade ihren Mann beim Start verabschiedet hat:“Wir schicken unsere Männer gerade in den Krieg!“ Diesen Satz empfand ich als absolut übertrieben und unangebracht. Ist doch so gut wie NICHTS mit der Grausamket eines Krieges zu vergleichen. Doch jetzt nach dem Ereignis, kann man es tatsächlich als persönlichen innerlichen Krieg gegen sich selbst sehen. Kopf gegen Herz. Körper gegen Geist.

Doch was bringt einen Menschen dazu, an so einem Event teilzunehmen? Was ist es? Spaß und Freude? Naja, wenn Menschen ab Kilometer 20 beginnen sich zu erbrechen oder komplett zusammenzubrechen, haben die daran Spaß und Freude? Wenn die Schmerzen unerträglich werden und kurz vor Ziel das Rennen abgebrochen werden muss – haben die Freude und Spaß daran?

Jetzt könnte man annehmen, ja aber wenn man erst mal im ZIEL ist, dann kommt (dank der vielen Glückshormone) die überwältigende Freude es geschafft zu haben. JA! Bestimmt. Aber auch nicht bei allen, denn viele „leiden“ noch an ihrer Überanstrengung und Erschöpfung. Natürlich kommt bei jenen die Freude auch wenn sie es realisiert haben und sich etwas erholen konnten. Doch reicht diese Freude als Motivation für die Teilnahme aus?

Ich glaube viel mehr es ist der Reiz der Grenzerfahrung. Sich selbst austesten, die eigenen Grenzen erreichen, spühren, wahrnehmen und auszureizen – wie weit kann ich diese überschreiten? Also eine Selbsterfahrung. Doch reicht dieser Reiz als Motivation für die Teilnahme aus? Wieso gerade Laufen und dann diese Streckenlänge? Der Gipfel ist ja dann der Iron-Man-Wettkampf (3,86km Schwimmstrecke, 180,2km Radtour und zu guter Letzt anschließend noch 42,195km Marathonlauf) – für mich UNFASSBAR!

Ich glaube wir wollen es, weil wir wissen es gibt Menschen die es bereits geschafft haben. Die uns vermittelt und gezeigt haben, dass es geht und schaffbar ist. Und wenn DER das kann, dann will ICH das auch können. Oder sogar noch besser sein? So dient uns ein klein bisschen Bewunderung anderer oder sogar ein kleines Fünkchen Neid als Hummelflugschöpfer. Als Zielgenerator? Diese Motivation kann uns antreiben: es ist möglich – es ist schaffbar. Sie kann uns Zuversicht schenken: wenn DER das schafft, schaff ich das auch! Und sie kann uns Mut schenken: das Ziel ist erreichbar und es funktioniert. Wir lassen uns daher oft von äußeren Einflüssen antreiben, motivieren oder etwas schaffen, was wir allerdings vielleicht auch nie gebraucht hätten in unserem Leben, aber uns Bestätigung schenkt. Ich kann das auch. Ich habe es auch geschafft.

Zu guter Letzt glaube ich daher es ist alles reine Kopfsache und es ist wichtig sich trotz großer Motivation zu fragen: warum will ich das? Warum will ich es erreichen? Für wen will ich es schaffen? Wer hat mir dazu geraten es zu machen? So lassen sich die wirklich Freude bringende Humflüge herausfiltern und ein PERSÖNLICHES Ziel erreichen – auch wenn dies erst nach 42,195km kommt.

Summ summm brummm brummm…..

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