Einfach einmal die Zeit anhalten…

…wäre dies nicht schön?

Wer träumt nicht ab und zu davon, einfach einmal die Zeit zum Stehen zu bringen. Ich tu es. Ich träume ab und zu von einer Zeit freien Umgebung wo nur eines wichtig ist, das Hier und Jetzt. Der einzige Zeitgeber: die Sonne und der Mond. Eine zeitlang einfach ohne Handy, ohne Internet, nicht erreichbar sein – nur höchstens per Post. Einfach einmal keine Verpflichtungen, keine To do’s, keine Termine, nichts. Das einzige was wichtig ist – Nahrungsmittel besorgen. Und dies alles auch noch fern ab der gewohnten Umgebung. Fern ab aller Menschen die einen kennen. Einfach einmal untertauchen und sich einhüllen in die Leichtigkeit des Seins. Einfach nur SEIN. Sich auf die Reise machen zu sich selbst und die wahren Werte wieder finden und erkennen. Was ist wirklich wichtig im Leben? Wer, was, wo und wie bin ich? Was habe ich bis jetzt erlebt, was will ich noch alles erleben? Liebe ich mich selbst? Einfach sein. Wie wäre es mit Ubud auf Bali? Oder in Kathmandu? Oder Nepal? Ein bisschen Eat-Pray-Love in meinem Leben? Einmal ganz alleine sein und einfach einmal von seinem gewohnten Leben untertauchen. Keine Freundin, keine Partnerin, keine Mutter, keine Tochter, keine Angstellte, keine Chefin, keine Kollegin sein… einfach einmal nur sich selbst sein. Ganz simple und pur. So gut wie nichts mit im Gepäck und sich auf sein Exil einlassen. Niemand kennt einen. Es zählt nur der Moment. Das wäre für mich einmal Urlaub. Ein Experiment. Wer weiß? Vielleicht sitzt man dann am Ende der Welt und denkt sich – und jetzt? Doch nicht das Wahre? Die Frage lautet doch eigentlich, muss man um die Zeit anzuhalten tatsächlich an’s andere Ende der Welt reisen? Wieso sind solche Momente nicht in unserer Umgebung möglich. Was STÖRT einen? Was lässt uns nicht im Hier und Jetzt leben. Was bringt uns aus dem Gleichgewicht und stört uns dabei in uns Ruhe einkehren zu lassen? Was hält uns ab vom sein? Zeitfresser überall: Internet, Notebook, TV, Handy, To-do’s, Erledigungen, Verpflichtungen, etc. doch ist es möglich einfach einmal unterzutauchen obwohl man hier ist? Ich probiere es aus….

Summm summm brumm brummm

Ich bin doch gerade hier! Oder doch ganz wo anders?

Multitasking – das Zauberwort für Erfolg und Effizienz. Frauen wurde es ja auch noch in die Wiege gelegt, Männer tun sich diesbezüglich etwas schwerer. Ein Softskill, den es anzustreben gilt und der trainiert werden sollte.

Mit diesen Thesen wuchs ich auf und war unheimlich stolz darauf Multitasking ausüben und beherrschen zu können. In einem Moment mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu können. Ja- es klingt ja wahrlich wie nach einer Superheldin. Gerade das Frauenbild in unserer heutigen Gesellschaft ist stark von der Fähigkeit des Multitaskings geprägt. So vereint das ideale Frauenbild: Karriere, Mutter, Hausfrau, Freundin und die perfekte Liebhaberin.

Doch ist dies wirklich möglich? Ist man mit Multitasking tatsächlich effizienter und erfolgreicher? Gewinnt man dadurch Zeit und macht es glücklich?

ICH SAGE NEIN!

Multitasking ist bei mir so tief verankert, dass ich wahrlich gar nicht mehr anders kann als mehrere Dinge gleichzeitig zu machen. Eine im Moment ausgeführte Tätigkeit reicht nicht und zumindest gedanklich kann man zur selben Zeit mehrere Themen bearbeiten. Die Folge daraus? Man erkennt, erlebt und nimmt den Moment nicht wahr und kann seine „ungeteilte“ Aufmerksamkeit nun einmal nur auf eine aktive ausgeführte Tätigkeit lenken.

Multitasking hat mein Leben negativ beeinflusst!

Meine Aufmerksamkeitsspanne hat sich dramatisch verringert. Ungeduld und Stress sind ständige Begleiter. Sich zu lange auf ein und das selbe Ding zu konzentrieren braucht zu viel Zeit und Energie. Kurz die wichtigsten Fakten und Informationen herausfiltern, Fragestellungen beantworten, Entscheidungen treffen, Probleme und Aufgaben lösen – weiter, nächstes Thema. Nun dies kann schon mal in den ein oder anderen Berufssparten sehr hilfreich sein- korrekt! Doch vor allem im Privatleben kommt er dann ständig zu kurz – der Moment! In meiner Freizeit sieht Multitasking so aus: wenn ich mit jedmanden ein Gespräch führe, bekommt mein Gesprächspartner nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Gedanklich bearbeite ich stets parallel ein anderes Thema, Projekt, eine To-Do-Liste oder springe im Gespräch bereits weiter nach vorne. Die Ungeduld kommt zum Vorschein, so unterbreche ich oft Gesprächspartner oder versuche das Gespräch auf die Fakten und wichtigen Informationen zu reduzieren, denn es gibt ja noch so viele weitere spannenden Themen zu besprechen. Wahnsinnig unhöflich denkt ihr? Ja da habt ihr absolut recht! Wenn ich mir eine Sendung im TV ansehen möchte, ist mir dies als aktuelle Tätigkeit zu wenig: nebenbei E-Mail schreiben, Internetrecherche, Projekte planen oder Sport sind Usus. Dass ich auch tatsächlich die Sendung aufmerksam gesehen habe, ist tatsächlich ein Selbstbetrug. In der Natur spazieren gehen, laufen, radfahren, was auch immer, ohne dabei Gedanken zu wälzen ist genauso unmöglich, wie ein Buch in Ruhe zu lesen oder friedlich, tief und erholsam zu schlafen. Gedankenkreisen – für viele eine Belastung. Und der allerschlimmste Nebeneffekt von Multitasking ist, dass Momente verfliegen, man durch Leben rauscht und Nichts um sich mehr wahrnimmt.

Erst neulich habe ich mich ertappt, als ich mit meinem Hund spazieren ging. Ich habe das Glück Natur vor meiner Haustüre vorzufinden. Ich liebe den Frühling. Alles erwacht zum Leben und steckt voller Kraft und Lebensfreude. So ging ich. Ich ging- meditativ in einem flotten Tempo. Bald merkte ich wie ich in „Gedanken“ verloren einfach nur ging und nichts um mich wahrnahm. Plötzlich riss mich ein lautes summendes und brummendes Geräusch aus meiner kreisenden, Gedankenwelt. Es waren Bienen und Hummeln die einen blühenden intensiv duftenden Strauch entdeckt haben. Dieser Strauch war so prachtvoll und fast in jeder seiner kleinen Blüten befand sich ein Insekt. Ich wäre daran vorbeigelaufen. Danach hob ich den Kopf und begann mich auf meine Umgebung zu konzentrieren und auf den Weg zu achten. Ich entdeckte so viele schöne Dinge während dieses Frühlingsspaziergangs, die ich sonst nicht wahrgenommen hätte.

Was will ich damit sagen?

JA oft ist eine „Soft-Version“ von Multitasking gerade im Beruf nicht schlecht. Doch man sollte sich stets dem HIER und JETZT widmen und auf das konzentrieren, das gerade vor einem liegt, sitzt, steht, etc. Man beraubt sich so Vielem im Leben- kleiner schöner oder wichtiger Details in einem Gespräch, Zeit, ja auch Informationen und vorallem des Genusses und des Moments. Spühren, fühlen, riechen, wahrnehmen- Achtsamkeit das neue Schlagwort! Nach so einem momenterfüllten Tag, kann man zufrieden und glücklich schlafen, träumen und verarbeiten.

Einmal tief einatmen und bewusst wahrnehmen. Eins nach dem anderen heißt die neue Devise und das dafür mit voller Aufmerksamtkeit – mit Leib und Seele. Du wirst glücklicher und zufriedener werden. Dein Umfeld wird es dir danken und du selbst kannst so täglich mehrmals die Zeit ein wenig zum Stehen bringen und im HIER und JETZT leben.

Summ…summm…brummm…brummm